Alle suchen Aufmerksamkeit für den eigenen Handballverein: Sei es für das Finden neuer Mitglieder, Sponsoren oder Ehrenamtliche. Meist folgt dann der digitale Reflex – mehr Instagram, eine bessere Website, vielleicht starten wir mit TikTok?

Die SKG Roßdorf macht es seit 1998 auf eine individuelle Art: In ihrem Namen bringt der Handball Förderverein Roßdorf e.V. jedes Jahr ein gedrucktes Saisonheft heraus. Die Auflage 2025: 6.000 Exemplare. Verteilt an alle Haushalte im Ort, durch die Vorstandsmitglieder.

Altmodisch? Vielleicht. Aber genau das macht es stark: Alle reden über Reichweite in sozialen Medien – die Rossdörfer Handball erzielen sie über die Briefkästen.

Das Ergebnis ist ein Heft, das nicht nur gelesen wird, sondern:

  • einen festen Touchpoint schafft (Marketingsprache für einen Kontaktpunkt), für den Verein mit allen Einwohnern der Gemeinde
  • Sponsoren bindet
  • und zudem noch die Vereinskasse füllt.

Denn: Das Projekt finanziert sich nicht nur selbst – es wirft auch Geld ab.

Diese Kolumne ist zuerst bei handball.net erschienen.

Vom Infoheft zum 100-Seiten-Magazin

Im Jahr 1998 entschied sich der damalige Handball Förderverein Roßdorf zu einem Saisonheft. Darin sollte zum einen über den attraktiven Sport, die Mannschaften und die Veranstaltungen des Vereines berichtet werden, gleichzeitig aber auch eine Plattform für die Sponsoren geschaffen werden. So entstand das erste Handball-Info-Heft, dessen Gestaltung und Satz über die Jahre von Mitgliedern des Vereins in wechselnder Besetzung übernommen wurde.

Heute ist daraus ein hochwertiges, 106 Seiten starkes Heft im A5-Format mit Klebebindung geworden, gedruckt bei einer lokalen Druckerei. Mit Vorworten von Bürgermeister und Vereinsvorständen, mit allen Kadern, Terminen, Rückblicken auf Vereinsaktionen wie das Jugendcamp oder das Ortskernfest. Pünktlich zum Saisonstart finden es die Leser in ihren Briefkästen.

„Natürlich gibt es Rückmeldungen von Leuten, die sagen: Handball interessiert mich nicht. Aber sie nehmen das Heft wahr – und wissen, dass wir aktiv sind. Das hat schon fast Tradition im Ort.“, erzählt Jonas Schattschneider, Vorstandsmitglied und seit einigen Jahren verantwortlich für das Layout & Design des Saisonheftes.

45 Sponsoren, die Jahr für Jahr bleiben

Die Finanzierung läuft über Anzeigen – und zwar niedrigschwellig: Wenige hundert Euro pro Anzeige, sodass lokale Betriebe den Wert sofort erkennen und die Entscheidung leicht fällt. Auch die persönliche Ansprache ist wichtig. Im Juni beginnen die Gespräche mit den Sponsoren.

Das Ergebnis: 45 Sponsoren sind dieses Jahr dabei, viele von ihnen schon seit Jahren. Manche passen ihre Anzeigen kaum an, schalten aber zuverlässig jedes Jahr. „Es geht uns nicht nur um Kostendeckung“, so Jonas. „Wir verdienen damit auch Geld, das wir in unsere Jugendarbeit stecken können.“

Das zeigt: Sponsoring lebt nicht von großen Summen oder komplexen Paketen, sondern von Verlässlichkeit und Wiederholung. Unternehmen wollen einen klaren Platz, an dem sie sichtbar sind. Den bekommen sie hier jedes Jahr aufs Neue.

Vier Learnings für andere Vereine

Was lässt sich daraus ableiten? Aus meiner Sicht vier Dinge, die Vereine sofort übertragen können:

  • 1

    Regelmäßige Kontaktpunkte sind entscheidend: Viele Vereine fragen sich: Wie erreichen wir heute noch Leute? Der Rossdorfer Handballverein liegt buchstäblich auf dem Küchentisch. Einmal im Jahr, sichtbar für alle.

  • 2
    Sponsoring einfach halten: Keine großen Summen, keine komplexen Pakete. Ein klarer Gegenwert, den lokale Unternehmen sofort verstehen. Wenn du dabei bist, landest du im Briefkasten jedes Einwohners und wirst mit unserem Verein assoziiert.
  • 3

    Qualität zahlt sich aus: Klebebindung, gutes Papier, lokaler Druck – das Heft wird ernst genommen, weil es professionell aussieht.

  • 4

    Tradition schafft Bindung: Seit 1998 erscheint das Saisonheft. Für viele ist es selbstverständlich geworden. Das baut Verlässlichkeit auf, bei Lesern wie Sponsoren.

Fazit

Viele Vereine sind in 2025 sehr stark auf Social Media fokussiert, um Reichweite aufzubauen und ihre Arbeit zu präsentieren. Die Rossdörfer Handballer zeigen: Klassische Formate funktionieren immer noch, wenn sie konsequent und professionell umgesetzt werden.

Entscheidend ist gar nicht das Medium, sondern die Aspekte dahinter: Regelmäßigkeit, Qualität, Verlässlichkeit. Ob auf Papier oder digital – das ist es, was wirkt.

Natürlich passt dieses Modell nicht für jeden Verein – 6.000 Hefte zu drucken und zu verteilen ist ein ordentlicher Kraftakt. Ein Saisonheft bedeutet Aufwand. Jonas spricht von etwa 50 Arbeitsstunden alleine für das Layout und die Druckvorbereitung. Aber es schafft Sichtbarkeit, bringt Sponsoren, stärkt das Vereinsimage und wirft am Ende sogar Geld ab.

Manchmal liegt die Lösung also gar nicht im nächsten TikTok-Trend. Manchmal liegt sie im Briefkasten.

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